Investmentstrategie

Investmentstrategie

Was wir suchen und

wie wir es finden

ULRICH DICKEL

Mitglied der Geschäftsleitung, Unternehmensentwicklung

Haniel verfügt über 1,4 Milliarden Euro für weitere Unternehmenskäufe. Ulrich Dickel, Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortlich für die Unternehmensentwicklung, erläutert, welche Unternehmen Haniel sucht und warum, wie der Weg zu einer neuen Beteiligung aussieht und welche Rolle der Familienhintergrund bei Haniel, aber auch bei potenziellen neuen Beteiligungen dabei spielt. Klarheit über Investment-Kriterien wie Entwicklungsperspektiven ist dabei essenziell.

Was wir suchen…

Welche Investments für Haniel interessant sind

Wir sind auf dem Weg das Haniel-Portfolio durch weitere Investitionen in die Sektoren Produktion und Dienstleistungen breiter aufzustellen. Wir suchen Unternehmen, deren Geschäftsmodelle nachhaltig profitabel sind und sich sinnvoll weiterentwickeln lassen. Wir möchten mittelständische Unternehmen darin unterstützen, die notwendige Transformation für eine Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit konsequent anzugehen und erfolgreich zu bewältigen. Beim Eintritt in ein neues Geschäftsmodell geht es nicht nur um die Identifikation interessanter Unternehmen, sondern auch darum, ein Managementteam vorzufinden, das für die Umsetzung einer Wachstums- und Internationalisierungsstrategie geeignet ist. Das ist die Basis für eine gute Zusammenarbeit mit Haniel. Um unser Risiko insgesamt gering zu halten, streben wir einen vernünftigen Mix von wachstumsstarken und Dividende liefernden Beteiligungsunternehmen an. Dies braucht aber Zeit. Wir sind uns bewusst, dass die Optimierung und Weiterentwicklung des Portfolios permanente und kontinuierliche Aufgaben sind.

Welche Rolle der Investmentfilter von Haniel bei der Portfolioentwicklung spielt

Anhand unseres Investmentfilters beurteilen wir Investitionsmöglichkeiten konkret. Wir haben einen anspruchsvollen Kriterienkatalog und prüfen bei jedem interessanten Unternehmen, ob es möglicherweise das eine oder andere Kriterium gibt, das wir etwas weniger stark gewichten sollten. Wir wenden also bewusst eine gewisse Flexibilität und vor allem eine unternehmerische Perspektive bei der Beurteilung wertsteigernder Investitionsmöglichkeiten an. Zusätzlich überprüfen wir unsere Investmentkriterien regelmäßig und stimmen sie auf die Anforderungen unserer Gesellschafter und auf unsere Portfoliostrategie ab.



Wie flexibel der Investmentfilter ist

Grundsätzlich streben wir eine mehrheitliche Beteiligung an neuen Unternehmen an, idealerweise eine 100-prozentige Übernahme. Bei einem attraktiven Geschäftsmodell, das unsere Filterkriterien erfüllt, schließen wir nicht aus, auch mit einer Minderheit einzusteigen – zum Beispiel, wenn die Eigentümer aktuell noch nicht bereit sind, das Unternehmen komplett zu veräußern. In einem solchen Fall möchten wir mit unserem neuen Partner aber eine Vereinbarung über die zukünftige Aufstockung unserer Beteiligung zu einer Mehrheit treffen.

Welche Investments für Haniel nicht in Frage kommen

Unternehmen, die zum Beispiel mit Waffenproduktion oder -handel ihr Geld verdienen, kommen für uns nicht in Frage. Auch in andere klassische Blacklist-Themen wie Glückspiel und Rauschmittel wird Haniel nicht investieren. Grundsätzlich prüfen wir mögliche Investitionen in einer frühen Phase auf die Erfüllung unserer Nachhaltigkeitskriterien. Konkret kommen deshalb für uns zum Beispiel auch Unternehmen, deren Produkte die Gesundheit von Konsumenten gefährden, nicht in Betracht. Stattdessen sind wir bewusst in Unternehmen investiert, die die Hygiene verbessern und zur Produktion von gesunden Lebensmitteln beitragen. Darüber hinaus vermeiden wir technologische Wetten und Investitionen in forschungsintensive Entwicklungspipelines.

Über den Anlagehorizont von Haniel

Wir suchen Unternehmen, die die Voraussetzungen mitbringen, über Jahrzehnte im Portfolio eine wertgenerierende und -steigernde Rolle zu spielen. Daher bevorzugen wir Geschäftsmodelle, die über die bis jetzt bearbeiteten Regionen hinaus internationalisiert werden können.


„Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen.“


Wir bevorzugen dabei Unternehmen, die ihre Herkunft im uns vertrauten Kulturraum haben, aber bereits über eine relevante Präsenz in anderen Ländern, besonders in Wachstumsregionen, verfügen beziehungsweise das Potenzial für diese Entwicklungsschritte erkennen lassen.

Was langfristige Portfolioentwicklung bedeutet

Für uns ist maßgeblich, wie wir das Geschäft mittel- und langfristig sinnvoll professionalisieren und weiterentwickeln können. Dies beinhaltet Investitionen, die sich möglicherweise nicht bereits in wenigen Quartalen auszahlen, sondern mittelfristig einen attraktiven Return erwirtschaften. Deshalb steht für uns auch nicht im Vordergrund, an wen wir das neue Portfoliounternehmen in einigen Jahren weiterverkaufen können.

Wie die Portfoliounternehmen profitieren

Unternehmen, die eher aus einem mittelständig geprägten Kontext kommen, unterstützen wir darin, ihre Strukturen und Prozesse kontinuierlich zu verbessern. Hierfür analysieren wir die relevanten Märkte und identifizieren strategische Weiterentwicklungspfade. Gemeinsam mit dem Management suchen wir Akquisitionstargets und helfen bei der Durchführung von M&A-Prozessen. Darüber hinaus unterstützen wir die Unternehmen bei der Entwicklung notwendiger Kompetenzen, zum Beispiel in Bezug auf eine Digitale Transformation.


„Das Portfolio weiterzuentwickeln ist ein kontinuierlicher und permanenter Prozess.“


Warum Haniel Beteiligungen verkauft

Portfolioentwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess, in dem das einzelne Geschäftsmodell auf seine zukünftigen Wertentwicklungsmöglichkeiten in seinem Lebenszyklus überprüft wird. Wenn die Kapitalanforderungen für den nächsten Internationalisierungsschritt unsere Möglichkeiten als Family-Equity-Investor übersteigen, müssen wir uns nach einem neuen Eigentümer umsehen. Aus diesem Grund haben wir uns von unserer langjährigen Mehrheitsbeteiligung an dem Pharma-Groß- und Einzelhändler Celesio getrennt und einen finanzstarken Nachfolgeinvestor gefunden.

…und wie wir es finden

Wie Haniel Unternehmen findet

Da wir in einem sehr kompetitiven Umfeld tätig sind, nutzen wir viele Kanäle und verschiedene Vorgehensweisen um relevante Beteiligungsmöglichkeiten zu generieren. Wir heben uns von dem Großteil der Konkurrenz ab, da wir nicht nur kurzfristiger Kapitalgeber, sondern langfristiger Family-Equity-Investor sind.

Über Scouting

Scouting bedeutet, dass wir uns systematisch mit interessanten Geschäftsmodellen befassen, die wir nach verschiedenen Kriterien auswählen: Diese sind unter anderem Wachstumsraten, Kapitalintensität, Profitabilität und Sektor-Attraktivität. Wir bevorzugen Geschäftsmodelle, die idealerweise von mehreren Megatrends positiv unterstützt werden. Die Notwendigkeit der nachhaltigen Proteinversorgung einer steigenden Weltbevölkerung sowie der Trend zu gesunder Ernährung hat unter anderem zu unserer Investition in das norwegische Unternehmen Optimar geführt. Im Rahmen des Scoutings erstellen wir eine Shortlist von Unternehmen, mit deren Eigentümern wir einen Dialog über ihre konkrete Verkaufsbereitschaft oder das Interesse an einer Zusammenarbeit im Rahmen einer Beteiligung führen.

Über intensive Dialoge im Haniel-Netzwerk

In Ergänzung zum Scouting führen wir einen intensiven Dialog mit Intermediären, Beratern und Investoren. Zusätzlich stehen wir in ständigem Austausch mit den Investmentteams der Venture Capital Fonds, in die wir investiert sind. Dadurch kommen wir frühzeitig in direkten Kontakt mit technologischen Entwicklungen und können zusätzlich Start-ups identifizieren, die für unsere Portfoliounternehmen relevant werden können. Darüber hinaus sprechen wir mit größeren Unternehmen, die sich möglicherweise von Geschäftsaktivitäten im Rahmen eines Carve-Outs trennen möchten. Schließlich nutzen wir auch gerne den breiten Kreis der Haniel-Gesellschafterfamilie, um Hinweise zu Investitionsopportunitäten zu bekommen und ihre persönlichen Kontakte bei der Ansprache von Unternehmern nutzen zu können.



Warum Disziplin beim Investieren wichtig ist

Grundsätzlich kann es in jeder Phase eines Transaktionsprojektes zum Abbruch der Übernahme kommen. Wenn im Rahmen der konkreten Unternehmensprüfung, der sogenannten Due Diligence, Themen auftauchen, die wir nicht akzeptieren wollen und können, steigen wir konsequent aus dem Prozess aus. Das gilt auch dann, wenn das verantwortliche Managementteam nicht konstruktiv mit uns zusammenarbeiten will. Schließlich ziehen wir uns aus einem Bieterprozess zurück, wenn wir keine kompetitive Bewertung darstellen können, weil beispielsweise ein weiterer Interessent aufgrund von möglichen Synergien höhere Preise zahlen kann.

Warum sich Haniel am M&A-Markt durchsetzt

Neben der Positionierung der Familie Haniel als Family-Equity-Investor kommt es vor allem auf den Auf- und Ausbau persönlicher Kontakte auf unterschiedlichen Ebenen an. Dies gilt für die Vorstandsmitglieder der Holding und andere Repräsentanten unseres Unternehmens genauso wie für die Mitglieder der Geschäftsführungen unserer Beteiligungsunternehmen. Wir haben dabei viel zu bieten: systematische Personalentwicklung, vielfältige Angebote der Haniel Akademie, die Unterstützung von unserer Digitaleinheit Schacht One und den Zugang zu unserem Venture-Capital-Netzwerk.


„Wir wissen von vielen Unternehmenseigentümern und Managementteams, dass wir mit unserem Profil aus dem Kreis interessierter Investoren positiv herausstechen.“


Außerdem arbeitet die Holding beispielsweise bei der Verbesserung der strategischen und operativen Prozesse eng mit den Geschäftsbereichen zusammen. Auch in Sachen Marktevaluierung, Identifikation von potenziellen Akquisitionen, Finanzierungen, Kommunikation und Rechtsfragen stehen wir unseren Beteiligungen beratend und unterstützend zur Seite.
Wir wissen von vielen Unternehmenseigentümern und Managementteams, dass wir mit unserem Profil aus dem Kreis interessierter Investoren positiv herausstechen.

Über den Familienhintergrund bei Haniel als Erfolgsfaktor im M&A-Markt

Für Eigentümer von Familienunternehmen ist insbesondere die Überlegung, ihr Aufbauwerk an Haniel als deutsches Traditionsunternehmen zu übergeben, attraktiv. Die Familie Haniel wird als verlässlicher und beständiger Partner angesehen. Die Fähigkeit, sich immer wieder neu auszurichten und weiterzuentwickeln, wird ebenfalls positiv bewertet.